Künstler und Denker als Beispielgeber – Nicht mehr gebraucht in den heutigen Werkstätten der Menschenbildnerei?

Montag, den 02. März 2020 im Kalenderzimmer Kloster Lamspringe, Beginn 19:30 Uhr

Philosophischer Salon Kloster Lamspringe

Karten: 25€ inkl. Gebühren 

Das Reichssicherheitshauptamt mit seinem Chef Heidrich zeigte überdeutlich an, wie beispielgebend Bildhauerei und Bildmalerei der Künstler von den politischen Autoritäten einstmals anerkannt wurden. Sie richteten in den Bildhauerwerkstätten/Kellerateliers der Unterrichtsanstalt des Kunstgewerbemuseums in der Prinz-Albrecht-Straße (heute Niederkirchnerstraße) zu Berlin ihre politische Menschenbildnerei ein. Sprichwörtlich wurde die Auffassung Hitlers, er arbeite an der Bildung des völkischen Menschen wie ein Bildhauer am Stein. Schließlich sah sich ja Hitler primär als Künstler.

In Brocks Vortrag geht es um diesen Zusammenhang von Bildung und Gestaltung am Beispiel der Beziehung von Politik und Kunst. Die heutigen Vermittler zwischen Kunst und Politik, Bildung und Gestaltung, die Influencer, kennzeichnen das große elektronische Netzwerk als Einheit des Netzes für Menschenfischerei à la Petrus, des Netzes als Kampfmittel der Gladiatoren, als Einkaufsnetz der Konsumenten, als Auffangnetz für Akrobaten und als Funknetz des Geistes.

Ist der modische Appell zur Gestaltung ohne Bildung „Mach mal was mit Kunst!“ bloße Missachtung der Bildungsanstrengung oder das Mittel der Wahl für alle totalitären Gewalten? Werden also die Künstler und Denker gar nicht mehr gebraucht?

Bazon Brock, Denker im Dienst und Künstler ohne Werk, ist emeritierter Professor am Lehrstuhl für Ästhetik und Kulturvermittlung an der Bergischen Universität Wuppertal. Weitere Professuren an der Hochschule für bildende Künste Hamburg (1965–1976) und der Universität für angewandte Kunst, Wien (1977–1980). 1992 erhielt er die Ehrendoktorwürde der Eidgenössisch Technischen Hochschule, Zürich und 2012 die Ehrendoktorwürde der Hochschule für Gestaltung Karlsruhe. 2014 bekam er die Honorarprofessur für Prophetie an der HBKsaar, Saarbrücken und 2016 wurde ihm der Von der Heydt-Preis der Stadt Wuppertal verliehen. 2017 erhielt er das Österreichische Ehrenkreuz für Wissenschaft und Kunst 1. Klasse.

Er entwickelte die Methode des »Action Teaching«, bei dem der Seminarraum zur Bühne für Selbst- und Fremdinszenierungen wird. Von 1968 bis 1992 führte er in Kassel die von ihm begründeten documenta-Besucherschulen durch. Von 2010 bis 2013 leitete er das Studienangebot „Der professionalisierte Bürger“ an der HfG Karlsruhe. Rund 3000 Veranstaltungen und Aktionslehrstücke; zuletzt „Lustmarsch durchs Theoriegelände“ (2006, in elf Museen). Er repräsentiert das „Institut für theoretische Kunst, Universalpoesie und Prognostik“, und ist Gründer der Denkerei / Amt für Arbeit an unlösbaren Problemen und Maßnahmen der hohen Hand mit Sitz in Berlin

 (www.denkerei-berlin.de).

Moderation: Frau Dr. Susann Kabisch

  Für unsere neuen Mitglieder nachstehend Informationen über unsere Moderatorin Dr. Susann Kabisch, die seit Anfang 2016 für die Organisation des Philosophischen Salon mit verantwortlich ist.  

SUSANN KABISCH studierte in Hildesheim, Salzburg (Österreich) und Nijmegen (Niederlande) Phi-losophie, Theater-, Literatur- und Kulturwissenschaften. Als wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut für Philosophie der Universität Hildesheim (2013-2015) organisierte sie Fachtagungen und hielt Semi-nare, u.a. zu den Themen wissenschaftliches Arbeiten, Philosophie der Künste und philosophische Mys-tik.

Ihre Erfahrungen in der Organisation philosophischer und kultureller Veranstaltungen stammen weiter-hin aus der Durchführung künstlerischer Ausstellungen, Lesungen und Aufführungen, aus ihrer Mitwir-kung an der Kueser Akademie für europäische Geistesgeschichten in Bernkastel-Kues sowie aus der Gestaltung verschiedener öffentlicher Gesprächs- und Diskussionsformate.

Ihr Dissertationsprojekt „Gott und Mensch in Szene gesetzt. Idiota de mente und De visione Dei als zwei der philosophischen Inszenierungen des Nikolaus von Kues“ wurde gefördert von der Gerda Henkel Stiftung. Seit 2017 ist sie Fellow am Titus Brandsma Institut für Spiritualität und Mystik Nijmegen. 2019 wurde sie an der Radboud Universiteit Nijmegen sowie an der Universität Hildesheim (summa cum laude) promoviert.

Unser Dank gilt auch wieder der Klosterkammer

die das philosophische Engagement großzügig unterstützt.

Wir haben neben kühlen Getränken auch wieder das traditionelle Philosophen-Süppchen  auch vegan für die Pause vorbereitet.

Nach der Pause wird in gewohnter Art die Diskussionsrunde eingeläutet.

Leider hat sich an den Beeinträchtigungen wegen den Umbauarbeiten der Klosterkammer Hannover nichts geändert. Wir werden wieder neben der Außentreppe eine Toilettenkabine aufstellen lassen. Lassen Sie sich trotzdem den interessanten Abend nicht entgehen.

Also auf ein Wiedersehen im Kalenderzimmer des Klosters Lamspringe!

Damit Sie die nächsten Philosophischen Salons besser planen können, geben wir Ihnen nachstehend die Termine und auch teilweise die Themen bekannt:

20. April 2020: Julia Fuchte: Gutes Leben und Gegenwart – Aspekte einer ganzheitlichen Zukunftsforschung

Juni 2020: Manuel Scheidegger: Die Frage nach dem Sinn

02. November: Dr. Cem Kömürcü: Die innere Erfahrung